Live Streaming Anbieter und technische Voraussetzungen für den eigenen Stream

Live Streaming ist in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Heute ist die Stream- und Übertragungstechnologie aus der Informations- und Unterhaltungswelt kaum noch weg zu denken. Gerade die Corona-Pandemie hat dazu beigetragen, dass viele Menschen sich für den Aufbau und Betrieb eines eigenen Steams interessieren. Doch wie funktioniert so ein selbstgemachter Live Stream eigentlich und welche Anbieter sowie technische Ausrüstung braucht man, um einen Live Stream selber zu erstellen? Diese und weitere Fragen rund um die Sicherheit eines eigenen Streams beantworten wir im folgenden Artikel.

Wie funktioniert Live Streaming?

Live Streaming bezeichnet die Echtzeitübertragung von Bild, Ton oder Video. Am bekanntesten sind Live Streams im Video-Format. Diese haben in Form von Let’s Play Streams in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebt und die großen Live Streamer der führenden Plattformen werden regelmäßig von tausenden Nutzern live beim Ausprobieren und Spielen neuer Games verfolgt.

Nicht zu verwechseln ist Live Streaming mit Video Streaming, was eher ein Synonym für Video on Demand Angebote ist – also im Grunde genau das Gegenteil vom Live Streaming. Denn Live Streaming zeichnet sich, wie der Name schon sagt, genau durch diese Übertragung in Echtzeit aus. So können Zuschauer unmittelbar mit ihren Lieblings-Streamern interagieren und diese auf Vorschläge und Diskussionen der Community eingehen. Beim Video on Demand (VoD) hingegen kann der Nutzer die zur Verfügung stehenden Inhalte zu einer beliebigen Zeit abrufen. Das ist z.B. bei Serien und Filmen von Netflix und Amazon Prime Video der Fall. 

Das Prinzip beim Live Streaming ist etwas anders und dabei nicht ganz simpel. Kurz gesagt, nimmt ein Live Streamer ein Video auf und speist dieses in Echtzeit ins Netz ein. Dazu muss das Video zuvor komprimiert werden, damit es bei einem externen Streaming Dienst möglichst schnell hochgeladen werden kann. Dieser Streaming Dienst stellt das Video dann in unterschiedlichen Bitraten zur Verfügung, sodass der Zuschauer immer eine Version des Videos angeboten bekommt, die sein Endgerät auch gerade laden kann. Welche Videoqualität geladen werden kann, hängt dabei von der aktuellen Internetverbindung des Zuschauers und der Auflösung seines Gerätes ab.

Die Technik zum Erstellen von Live Streaming

Live Streaming Setup: Die Hardware für eigene Streams

Je nachdem, über welches Gerät Sie streamen möchten, benötigen Sie unterschiedliche Hardware. Im ersten Schritt sollten Sie sich also zwischen einem Live Stream über den Computer, die Spielekonsole oder das Smartphone entscheiden.

Die meisten Streamer entscheiden sich derzeit für einen Stream über den PC. Streaming via Smartphone ist stark im Kommen, meistens aber auf eine kurze Übertragung in sozialen Netzwerken beschränkt. In Falle eines PC Live Streamings umfasst die Hardware-Grundausrüstung in der Regel:

  • PC mit leistungsstarker Grafikkarte und genügend Arbeitsspeicher
  • (DSLR-) Kamera oder hochauflösende Webcam (HD oder 4k-Qualität)
  • externes Mikrofon

Wichtig bei der Wahl eines PCs ist seine Leistung. Denn die Technik für Live Streaming muss einiges auf einmal bewältigen können: Audio, Video und Bildschirmaufnahme müssen gleichzeitig verarbeitet werden, was eine hohe Prozessor-Leistung erfordert. Ihr Streaming PC sollte also mindestens über einen 4-Kerne-Prozessor, besser einen 6-Kerne-Prozessor verfügen (siehe aktueller CPU-Vergleich). Um den Prozessor zu entlasten, können Sie statt einer Encoder Software einen physikalischen Encoder verwenden. Dieser ist günstiger als die Software im Web und lässt mehr Rechenleistung für das Gameplay übrig.

Zudem sollten Sie beim Kauf auf eine leistungsstarke Grafikkarte und einen Arbeitsspeicher von mindestens 8 GB oder besser 16 GB achten. Und auch die Internetverbindung muss einiges leisten können, sonst ruckelt das Bild und Ihre Zuschauer springen ab. Nutzen Sie am besten eine Internetverbindung per Kabel, da so die Verbindung stabiler ist und eine höhere Übertragungsrate im Upload-Bereich möglich ist. 

Wollen Sie Ihre Streams gleich zu Beginn etwas professioneller aufziehen, lohnt sich zudem die Anschaffung von:

  • Softboxen
  • Greenscreen
  • zweiter Bildschirm
  • Stream Deck

Benötigen Sie eine mobile Lösung, können Sie einen Live Stream auch einfach mit dem Smartphone starten. Den Live Stream können Sie dabei kostenlos und sehr einfach über eine Social Media App abwickeln, zum Beispiel über Instagram oder YouTube. Wichtig hierbei ist nur, dass Sie auf eine stabile Internetverbindung achten, da es sonst zu Ruckeln oder einem kompletten Ausfall des Streams kommen kann.

Wollen Sie mobil streamen möchten, aber trotzdem Wert auf gute Qualität legen, könnte auch eine tragbare Streaming-Box eine Option sein. Diese können Sie mit Ihrer DSLR-Kamera verbinden und das Video wird während der Aufnahme direkt in der Box komprimiert und an den Streaming Server gesendet.

Live Streaming Software

Haben Sie die Ausrüstung zusammen, müssen Sie sich noch um eine Broadcast Software kümmern, um Ihren Stream zu erstellen. Diese sorgt dafür, dass das Gameplay von Ihrem PC live an den Streaming Anbieter übertragen wird. Hier gibt es viele kostenlose Programme, die das für Sie übernehmen. Die bekanntesten Broadcaster für selbst gemachte Streams sind:

  • Open Broadcaster Software (OBS)
  • Streamlabs OBS (legt Fokus auf die Interaktion mit der Community)
  • Xsplit Gamecaster (für Anfänger und einfache Live Streams)
  • Xsplit Broadcaster (für professionellere, umfangreichere Live Streams)

Zu jedem dieser Broadcaster gibt es eine Vielzahl an Tutorials und Ratgebern im Netz, die Ihnen den Einstieg erleichtern und dabei helfen, die passende Live Stream Software für Ihre Bedürfnisse zu finden.

Welcher Live Stream Anbieter zum Selber-streamen?

Um endlich mit dem Streamen anfangen zu können, müssen Sie sich nun noch ein Konto bei einem Live Streaming Anbieter erstellen. Der Marktführer unter den Live Stream Plattformen ist Twitch, 2014 von Amazon aufgekauft. Die deutliche Mehrheit aller Streamer nutzt Twitch und der Anbieter veranstaltet regelmäßig Live Events und Konferenzen, auf denen sich Streamer treffen und austauschen können. Der Fokus des Contents liegt bei Twitch im Bereich Gaming. Wenn Sie gerade starten und sich nicht lange mit der Suche nach einem passenden Live Streaming Anbieter aufhalten wollen, können Sie mit Twitch eigentlich nichts falsch machen. 

Die größte Konkurrenz zu Twitch ist momentan YouTube Live. Das Live Streaming Angebot von YouTube hat den großen Vorteil, dass die Oberfläche vielen YouTube Nutzern bereits vertraut ist. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Ihre YouTube Abonnenten auch Ihre Live Streams ansehen, da sie nicht erst den Umweg auf eine externe Plattform nehmen müssen und die Live Streams ihnen direkt im YouTube Feed angezeigt werden. Aus diesem Grund wird das Live Streaming Angebot gerne von Leuten benutzt, die schon eine gewisse Reichweite auf YouTube aufgebaut haben.

Ein weiterer Vorteil von YouTube: Streams können nach Ende der “Sendezeit” mit einem einfachen Klick auf den normalen YouTube-Kanal hochgeladen werden und so permanent für die Zuschauer abrufbar sein.

Interessieren Sie sich für den E-Sport-Bereich, sollten Sie Ihre Live Streams über Smashcast abhalten. Der Streaming Anbieter zählt mehr als 10 Millionen Nutzer und das Streamen ist, wie auch bei Twitch und YouTube Live, kostenlos.

Ein weiterer bekannter Dienst ist der erst 2018 gegründete Anbieter DLive. Das besondere an dieser Live Streaming Plattform: Die Geldspenden, die Zuschauer ihren Lieblings-Streamern schicken, werden zu 100% ausgezahlt. Anders ist das bei Twitch, wo man sich eine Provision einbehält. Bei DLive zahlt man diese Donations mit der Kryptowährung LINO, die sich die Streamer per PayPal oder als Bitcoins auszahlen lassen kann.

Die Corona-Pandemie hat aber noch eine weitere Community dazu bewogen, Events und Spiele online live zu übertragen: Die Rede ist von Glücksspielern, die während des Shut-Downs keine Casinos und Spielhallen mehr benutzen konnten. Mittlerweile zählt die Spiele-Plattform bestonlinecasino.com mehrere seriöse Live Dealer Games auf, bei denen Spieler von zuhause aus unterschiedlichen Orten live an einem Casino-Spieltisch zusammenkommen und so in Echtzeit mit und gegeneinander spielen können. Solche Simulationen werden in Zukunft wahrscheinlich noch weitere Bereiche unseres Lebens betreffen. Denkbar sind beispielsweise Live-Spieleabende für Brett- und Gesellschaftsspiele oder auch Fitness- und Sport-Sessions, bei denen ein Personal Trainer per Live Stream eine kleine Gruppe von Trainierenden im Home Gym anleitet.

How To: Selber Live Stream erstellen

Wollen Sie selber livestreamen, müssen Sie sich zunächst einen eigenen Account bei einem Stream Anbieter erstellen. Wir erklären Ihnen das Ganze am Beispiel von Twitch, da es der bekannteste Live Streaming Dienst ist.

Wenn Sie sich ein Twitch-Konto anlegen, achten Sie darauf, einen eindeutig lesbaren Benutzernamen mit Wiedererkennungswert zu wählen. Im besten Fall lässt dieser bereits erahnen, mit welcher Art von Content Sie sich in Ihren Streams beschäftigen. Vervollständigen Sie nun Ihr Profil mit einem Profilbild, einem Banner und einer kurzen Biografie.

Jetzt müssen Sie Ihren Twitch Account mit einem Broadcaster verbinden, beispielsweise dem oben genannten OBS. Klicken Sie dort unter Datei > Einstellungen auf Stream.

Dort wählen Sie Twitch als Ihren Live Streaming Service aus. Stimmen Sie in Ihren Kanaleinstellungen unter Primärer Stream-Schlüssel > zeigen den Anweisungen zu und fügen Sie Ihren Stream-Key in das dafür vorgesehene Feld ein. Den Stream-Schlüssel finden Sie bei Twitch in Ihren Kontoeinstellungen.

Im letzten Schritt passen Sie das Stream-Layout in OBS an. Nun können Sie im Prinzip direkt Ihren ersten Live Stream starten. Das geht über den Button Stream starten in OBS. Vergewissern Sie sich vorher aber, dass Sie über eine stabile Internetverbindung von mindestens 2,5 MB pro Sekunde verfügen.

Wie sicher ist Live Streaming?

Allgemein ist selbstgemachtes Live Streaming eine relativ sichere Angelegenheit, wenn Sie Ihre Inhalte über einen der bekannten Dienste übertragen. Es hat sogar noch den Vorteil gegenüber herkömmlich hochgeladenen Videos, dass Inhalte nicht so einfach heruntergeladen und gegen Ihren Willen verbreitet werden können. Aber Hacker und Spammer gibt es – wie leider überall im Internet – auch hier. Eine hundertprozentige Sicherheit haben Sie schon in dem Augenblick nicht, indem Sie Ihren PC oder Laptop mit dem Internet verbinden, selbst als gewöhnlicher Surfer.

Um dennoch ein möglichst sicheres System für den eigenen Live Stream zu benutzen, sollten Sie:

  • Dafür sorgen, dass Ihr Betriebssystem (ob Windows, Mac oder Linux) immer die aktuellsten Updates installiert hat.
  • Außerdem sollten alle eingesetzten Programme in der neuesten Version vorliegen.
  • Kontrollieren und aktualisieren Sie regelmäßig die Firmware-Version Ihres Routers.
  • Ändern Sie Ihre Passwörter regelmäßig und verwenden Sie komplizierte Passwörter mit einer Kombination aus Wörtern, Zahlen und Sonderzeichen.

Am Beispiel von Twitch erklären wir, wie Sie Ihren Account zusätzlich schützen können:

  • Aktivieren Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA)
  • Behalten Sie Ihren Stream-Key für sich! Jeder, der darüber verfügt, kann mit Ihm einen Stream über Ihren Kanal starten
  • Legen Sie im Voraus fest, welche Kommentare auf die Blacklist kommen. Nutzer, die einen Kommentar mit diesem Begriff schreiben, kommen so automatisch ins Time Out
  • Blockieren Sie Hyperlinks im Chat, um Spam Nachrichten zu vermeiden
  • Überprüfen Sie regelmäßig, dass nur Sie in Ihrem Account angemeldet sind. Das geht über Einstellungen > Verbindungen > andere Verbindungen. Entdecken Sie hier ein fremdes Gerät, trennen Sie es.

Bilder: © StockPhotoPro - stock.adobe.com, © kjekol - stock.adobe.com