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Kostenlose Server-Virtualisierung mit VirtualBox und Ubuntu Linux

Virtualisierung ist einer DER Begriffe in der IT der letzten Jahre. Statt für jede Aufgabe einen eigenen physikalischen Server zu kaufen, können auf einem physikalischem Server mehrere, virtuelle Server (bzw. Virtuelle Maschinen, kurz VM) laufen. So können die Ressourcen der Server deutlich effizienter genutzt und die Anschaffungs- und Stromkosten deutlich gesenkt werden.

Normalerweise richten wir uns ja eher an Privatanwender, wir glauben aber, dass sich das Thema Virtualisierung zukünftig immer mehr auch in den privaten Anwendungsbereich verschiebt. Daher kann so eine kleine Einführung in die Virtualisierung sicherlich auch für den ein oder anderen Privatanwender interessant sein, zudem die hier genutzte Software komplett kostenlos erhältlich ist.

Kostenlose Server-Virtualisierung mit VirtualBox und Ubuntu Linux


Während sich in großen Firmen Server-Virtualisierung längst etabliert hat, wird darauf in kleinen oder mittleren Unternehmen häufig verzichtet. Zu groß ist der Einarbeitsungsaufwand, zu gering die Kostenersparnis - die meist auch noch durch die hohen Lizenzgebühren für professionelle Lösungen aufgefressen wird.

Wir zeigen hier wie ihr - komplett kostenlos - ein Linux Hostsystem aufsetzt welches dann mehrere VMs (Gastsysteme) bereitstellt. Dazu benutzen wir Oracles VirtualBox das unter einem Windows und Linux Hostsystem läuft.



Warum Linux Server als Hostsystem ?

Privatanwender werden meistens zu der Windows Variante greifen, die Linux Variante ist aber für den Unternehmenseinsatz geeigneter - hier lassen sich u.a. die Lizenzkosten sparen und kritische Sicherheitsupdates des Hostsystems können meistens ohne Server-Neustart installiert werden.

Daher haben wir als Hostsystem Ubuntus Linux Server 14.04 LTS gewählt welches mindestens 4 Jahre lang mit Updates versorgt wird. Das ist ideal für ein Hostsystem welches - einmal eingerichtet - über eine lange Zeit zuverlässig und mit möglichst geringem Wartungsaufwand betrieben werden soll.

Die Kostenersparnis einer virtuellen Umgebung bringt schließlich keine Vorteile wenn dafür eine große Menge an IT-Ressourcen gebunden werden. Wir setzen in dieser Anleitung vorraus, dass euch bekannt ist wie ihr eine Grundinstallation von Linux durchführt. Für das Hostsystem empfehle ich einen Raid-1 aus 2 SSDs die per Hardware-Raid oder durch den Linux mdadm Software-Raid geschützt sind. Je nach Anzahl der später genutzen VMs sind eventuell weitere Datenträger erforderlich.

Da die Server-Variante von Linux komplett ohne Benutzeroberfläche daherkommt, greifen wir auf PHPVirtualBox zurück, d.h. wir verwalten das Hostsystem bzw. die VMs direkt über eine Weboberfläche. Zum einen ist die Konfiguration über die Weboberfläche einfach (das Layout ist fast identisch mit der Oberfläche der grafischen VirtualBox Version) zum anderen kann die Weboberfläche ohne Installation von Software auf jedem PC aufgerufen werden, also auch per Smartphone von unterwegs.



Die Vorteile der Server-Virtualisierung

Neben der erwähnten Kostenersparnis beim Kauf der Hardware und den (durch die geringere Anzahl benötigter physikalischer Server) sowie dem geringeren Energieverbrauch (Stichwort: Geringere Stromkosten, kleinere Klimatisierung) bietet die Virtualisierung noch viele weitere Vorteile.

So lassen sich VMs einfach sichern (Backup), es lassen sich auch verschiedene Snapshots anlegen, mit dem eine VM sehr einfach auf einen vorherigen Zustand zurückgesetzt werden kann. VMs lassen sich zudem kopieren (clonen) und auch von einem Hostsystem auf ein anderes transferieren, so kann die Hardware des Hostsystems nach einer bestimmten Dauer aktualisiert werden ohne die VMs selbst neu installieren zu müssen, da alle VMs hardware-unabhängig betrieben werden, denn VirtualBox emuliert die Hardware und nutzt universelle Treiber.

Nur die Prozessoren sind im Klartext erkennbar, die Grafikkarte oder die Netzwerkkarte werden emuliert, die VM nutzt durch die Emulation die Hardware des Hostsystems.

Ein weiterer Vorteil ist die dynamische Zuweisung von Ressourcen. Werden auf Server 1 weniger Abfragen abgewickelt, kann Server 2 die überschüssigen Ressourcen von Server 1 benutzen. Es ist aber auch eine fixe Reservierung möglich. Stellt man im laufenden Betrieb fest, dass die Ressourcen eines Servers nicht ausreichen, kann man die Zuteilung jederzeit ändern.

Zudem können Gemeinsame Ordner (Shared folder) angelegt werden. Daten können dann sehr einfach von einer VM in eine andere kopiert werden. Dabei spielt das Betriebssystem keine Rolle, so kann eine Linux VM auf Daten einer Windows VM zugreifen und umgekehrt.



Geeignete Hardware

Für das Hostsystem eignet sich quasi jeder halbwegs aktuelle Server, in dieser Anleitung verwenden wir einen DELL PowerEdge R430 mit zwei Intel Xeon E5-2640 v3 Prozessoren, die jeweils über 16 logische Kerne (8+8HT) verfügen. Damit stehen dem Server insgesamt 32 logische Kerne sowie 32GB DDR4-1866 Arbeitsspeicher zur Verfügung.

Das Systemlaufwerk besteht aus zwei Samsung 850 Pro SSDs mit je 256GB Kapazität, die in einem mdadm Software-Raid laufen. Auf dem Hostsystem sollen nachher 4 VMs laufen (2x Windows Server 2012 als Domaincontroller, 1x Ubuntu Linux Server als Web/Intranet-Server und ein Windows 7).
Kostenlose Server-Virtualisierung mit VirtualBox und Ubuntu Linux
Schon vor dem Kauf der Hardware sollte man sich Gedanken machen wie viele VMs man einbinden möchte und welche Ressourcen dazu benötigt werden. Dabei muss berücksichtigt werden, dass auch dem Hostsystem eigene Ressourcen zugeteilt werden müssen.



Benötigte Software

1. SSH Client Putty
2. FTP Client Filezilla Client
3. Win32Disk Imager
3. Ubuntu Linux 14.04.3 LTS (64bit) (oder neuer, allerdings empfehle ich die LTS (Long-Therm-Support) Version)
4. VirtualBox 5.0.2 for Ubuntu Linux 14.04, 64bit (oder neuer)
5. VirtualBox 5.0.2 Extension Pack (oder neuer)
6. PHPVirtualBox 5.0-2 (oder neuer)
7. Webmin 1.760 (oder neuer) - optional

Hinweis: Wichtig ist, dass die Version von VirtualBox und dem VirtualBox Extension Pack absolut identisch ist! Die Hauptversionsnummer von PHPVirtualBox (5.0-xx) muss zudem identisch mit der Hauptversionsnummer von VirtualBox (5.0_x.x.x-xxxxx) sein.

Einige der Pakete lassen sich auch bequem über die "wget" Funktionalität von Linux direkt auf dem Hostsystem herunterladen. Da viele Firmen allerdings über harte Firewalls und Proxy Server verfügen, haben wir uns dazu entschieden die Pakete manuell zu laden. Webmin ist ein Verwaltungstool für den Linux Server und in dieser Anleitung optional aber zu empfehlen.




Schitt 1 - Hostsystem installieren und aktualisieren

Mit dem Tool Win32DiskImager wird nun das Ubuntu Linux Server Image auf einen USB-Stick kopiert. Dieser ist dann bootfähig. Benutzt diesen Stick nun um Ubuntu Linux 14.04.3 LTS zu installieren und zwar inkl. OpenSSH und LAMP (Apache, MySQL und PHP). Nach der Installation meldet ihr euch via SSH oder über die Konsole an und aktualisiert das System:

sudo -s um Root-Rechte zu erlangen.
apt-get update
apt-get upgrade

Nun muss noch ein FTP Server (proftpd) nachinstalliert werden:
apt-get install proftpd

Einen Benutzer für den FTP-Zugang anlegen:
useradd stefan
passwd stefan (gewünschtes Passwort wird abgefragt)
usermod -m -d /var/www/ stefan

Und die Konfigurationsdatei anpassen:
nano /etc/proftpd/proftpd.conf
hier die Zeile RequireValidShell off auskommentieren (das führende # entfernen)

Die Datei mit Strg+O speichern und den Editor mit Strg+X beenden.

Anschließend muss der FTP Server durchgestartet werden:
service proftpd restart



Schritt 2 - Dateien kopieren

Unsere Struktur sieht nachher wie folgt aus (ihr könnt dies natürlich auch anders machen):

/var/www - Unser Heimatverzeichnis
/var/www/phpvirtualbox-5.0-2 - PHPVirtualBox Verzeichnis
/var/www/html - Der DocumentRoot des Apache Webservers
/var/www/html/phpvirtualbox - per http aufrufbarer SymLink (siehe weiter unten) auf unser PHPVirtualBox Verzeichnis (/var/www/phpvirtualbox-5.0-2)
/var/www/isos - Hier können wir unsere ISO-Dateien ablegen
/var/www/VMs - Hier werden unsere VMs abgelegt
/var/www/Shared Folder - Gemeinsamer Ordner (alle VMs haben hierauf später Zugriff)

Der Ordner /var/www muss noch rekursive Schreibrechte bekommen:
chmod -R 777 /var/www

Nun können wir per FTP Dateien auf das Linux Hostsystem übertragen. Die Ordner "isos", "VMs" und "Shared folder" müsst ihr manuell anlegen.

Die VirtualBox Dateien müssen zunächst in unser Heimatverzeichnis (/var/www) per FTP hochgeladen werden:

/var/www/virtualbox-5.0_5.0.2-102096-Ubuntu-trusty_amd64.deb
/var/www/Oracle_VM_VirtualBox_Extension_Pack-5.0.2-102096.vbox-extpack
/var/www/webmin_1.760_all.deb (optional)

Außerdem wird PHPVirtualBox nun nach

/var/www/phpvirtualbox-5.0-2 kopiert. Das Entpacken am Besten unter Windows z.B. mit WinRar durchführen und im entpackten Zustand hochladen.



Schritt 3 - Neuinstallation und Konfiguration von VirtualBox

Im SSH-Client: Wechsel in unser Heimatverzeichnis mit
cd /var/www

Webmin installieren (Verwaltungssoftware mit Weboberfläche) - Optional
dpkg --install webmin_1.760_all.deb

Webmin ist dann über https://server-ip:10000 zu erreichen. Der Benutzerlogin entspricht den erstellten Benutzern auf dem Server, ihr benötigt also keinen weiteren Benutzer.


VirtualBox inkl aller Abhängigkeiten installieren
apt-get install -y virtualbox

VirtualBox bestehende Hauptversion entfernen (Abhängigkeiten bleiben installiert)
apt-get remove virtualbox

Aktuellste Version von VirtualBox installieren
dpkg --install virtualbox-5.0_5.0.2-102096-Ubuntu-trusty_amd64.deb
VBoxManage setproperty websrvauthlibrary null

Nun legen wir den SymLink für PHPVirtualBox an:
ln -s /var/www/phpvirtualbox-5.0-2 /var/www/html/phpvirtualbox

Aktualisieren der Linux-Header
apt-get install linux-headers-$(uname -r) dkms

Installieren des Erweiterungs-Pakets
VBoxManage extpack install Oracle_VM_VirtualBox_Extension_Pack-5.0.2-102096.vbox-extpack

Webzugriff vorbereiten
nano /etc/default/virtualbox. Hier die Zeile VBOXWEB_USER=vbox hinzufügen, Datei mit STRG+O speichern und den Editor mit STRG+X beenden.

Zuerst legen wir einen neuen Benutzer für den Webzugriff an:
useradd -m vbox -G vboxusers
passwd vbox

Den VirtualBox Webservice nun stoppen, intialisieren und starten:
service vboxweb-service stop
/etc/init.d/vboxdrv setup
service vboxweb-service start



3.1 - Update von einer alten Version

Hinweis: Dieser Schritt ist nur notwendig wenn ihr eine alte Version von VirtualBox auf eurem Server installiert hattet und jetzt nur auf die aktuellste Version aktualisieren möchtet. Solltet ihr wie beschrieben eine Neuinstallation durchführen, müßt ihr diese natürlich nicht mehr aktualisieren. Dann geht es weiter bei Schritt 4.

Aktuellste Version von VirtualBox installieren
dpkg --install virtualbox-5.0_5.0.2-102096-Ubuntu-trusty_amd64.deb
VBoxManage setproperty websrvauthlibrary null

Alten SymLink von PHPVirtualBox löschen:
unlink /var/www/html/phpvirtualbox

Nun legen wir den neuen SymLink für PHPVirtualBox an:
ln -s /var/www/phpvirtualbox-5.0-2 /var/www/html/phpvirtualbox

Aktualisieren der Linux-Header
apt-get install linux-headers-$(uname -r) dkms

De-Installieren des vorherigen Erweiterungs-Pakets
vboxmanage extpack uninstall "Oracle VM VirtualBox Extension Pack"

Installieren des Erweiterungs-Pakets
VBoxManage extpack install Oracle_VM_VirtualBox_Extension_Pack-5.0.2-102096.vbox-extpack

Den VirtualBox Webservice nun stoppen, intialisieren und starten:
service vboxweb-service stop
/etc/init.d/vboxdrv setup
service vboxweb-service start



Schritt 4 - PHPVirtualBox konfigurieren

Mit cp /var/www/phpvirtualbox-5.0-2/config.php-example /var/www/phpvirtualbox-5.0-2/config.php kopieren wir uns zunächst eine Standard-Konfigurationsdatei.

nano /var/www/phpvirtualbox-5.0-2/config.php

Folgende Zeilen müssen angepasst werden:
var $password = 'PASSWORD'; (das für den Benutzer vbox vergebene Passwort)
var $language = 'de';
var $previewWidth = '360';

Datei mit STRG+O speichern und den Editor mit STRG+X beenden.


PHPVirtualbox sollte nun unter http://IP-des-Hostsystemes/phpvirtualbox erreichbar sein. Der Standard-Login ist admin mit dem Passwort admin.



PHPVirtualBox

Die Weboberfläche sieht fast identisch aus wie die Oberfläche von VirtualBox selbst. Das Anlegen von neuen VMs ist durch die Assistenten selbsterklärend.

PHPVirtualBox verfügt über ein eingebautes VNC-Plugin um via Konsole eine Remote-Desktop-Verbindung zur VM aufzubauen. Obwohl es sich nur um eine Weboberfläche handelt ist die Bedienung (nach der Installation der GuestAdditions, siehe weiter unten) sehr flüssig.

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Über die PHPVirtualBox Oberfläche lässt sich in den Globalen Einstellungen der Standard-Pfad für VMs ändern. Wir haben hier /var/www/VMs benutzt.

Wichtig: Bei Linux Gastsystemen (VMs) muss in den VM-Einstellungen unbedingt die Option "IO-APIC" aktiviert werden, da Linux sonst nicht alle zugewiesenen Ressourcen korrekt zuweist und z.B. nur einen Prozessorkern anzeigt (obwohl der VM vielleicht mehrere Prozessoren zugewiesen wurden).

Kostenlose Server-Virtualisierung mit VirtualBox und Ubuntu Linux



Installation der Guest Additions

Nach der Installation einer VM müssen die Guest Additions (/usr/share/virtualbox/VBoxGuestAdditions.iso) eingebunden und installiert werden. Diese enthalten alle benötigten Treiber für Windows und Linux VMs.

In den Einstellungen der VM werden die Guest Additions unter dem Punkt Massenspeicher eingefügt (Controller: IDE, Datei für virtuelles Medium auswählen). Anschließend wird die VM gestartet.

Windows
Unter Windows ist nun im Arbeitsplatz (Computer) bzw. im Explorer ein neues CD-Laufwerk vorhanden.

Hier wird nun einfach die VBoxWindowsAdditions.exe ausgeführt und installiert. Dies ist übrigens auch sinnvoll wenn man eine neue Version von VirtualBox installiert hat und die VM schon älter ist, da Oracle die Guest Additions bzw. die darin enthaltenen Treiber regelmäßig aktualisiert.

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Linux Server / Kommandozeile
Ihr müsst euch zuerst mit sudo -s root-Rechte verschaffen. Nun mounten wir die GuestAdditions.iso (nur Lesezugriff) mit dem Befehl:
mount /dev/cdrom /media/cdrom

Danach stellen wir auch im Gastsystem sicher, das alle aktuellen Linux Header installiert sind:
apt-get install -y dkms build-essential linux-headers-generic linux-headers-$(uname -r)

Und als letztes werden dann die GuestAdditions auch unter Linux per Script installiert:
/media/cdrom/VBoxLinuxAdditions.run

Habt ihr die VM geklont müsst ihr noch den Hostnamen der VM ändern, dies geht mit
nano /etc/init.d/hostname.sh

Bei einer Änderung des Hostnamen müsst ihr den neuen Namen noch in die hosts Datei einfügen:
nano /etc/hosts

Im Anschluss solltet ihr die VM einmal neustarten.



Starten und Stoppen einer VM via Kommandozeile

Für das tägliche Backup einer VM muss die VM zuvor gestoppt werden, da sonst eine Dateninkonsistenz der VDI-Datei nicht ausgeschlossen werden kann. Ich zeige dies anhand eines Ubuntu Linux Server Hostsystems:

Zuerst muss man wissen, dass sämtliche VBoxManage Befehle immer für den aktuell angemeldeten Benutzer ausgeführt werden. Da wir in phpVirtualBox den Benutzer vbox benutzen, können wir nun nicht einfach per root auf die VMs zugreifen, sondern müssen dies über den Benutzer vbox tun.

Um den Crontab für den Benutzer vbox anzuzeigen, geben wir folgendes ein (root Sitzung):
crontab -e -u vbox

Meine VM die ich backupen möchte heißt "Testserver - Ubuntu 14.04 LTS". Diese stoppe ich nun mit dem Befehl:
VBoxManage controlvm "Testserver - Ubuntu 14.04 LTS" acpipowerbutton

Anschließend übertrage ich diese per FTP (apt-get install ncftp) auf ein NAS auf welchem die VMs liegen:
ncftpput -u FTPBENUTZER -p FTPPASSWORT -R -v 192.168.100.9 "/VM-Backup/VMs/Testserver - Ubuntu 14.04 LTS/" "/var/www/VMs/Testserver - Ubuntu 14.04 LTS/"

Nach dem Backup wird die VM dann wieder gestartet:
VBoxManage startvm "Testserver - Ubuntu 14.04 LTS" --type headless

Die 3 Befehle sind voneinander abhängig, d.h. der Befehl Nr. 2 darf erst erfolgen nachdem die VM gestoppt wurde. Die VM darf zudem erst wieder gestartet werden wenn das Backup abgeschlossen wurde.

Man kann hierfür ein Loop-Bash-Script benutzen. Da für mich die Verfügbarkeit des Systems in der Nacht keine Rolle spielt, spare ich mir dies und setze einfach die Crontab Zeiten dementsprechend großzügig. Mein kompletter Crontab für den Benutzer vbox sieht dann so aus:

1 4 * * * VBoxManage controlvm "Testserver - Ubuntu 14.04 LTS" acpipowerbutton
2 4 * * * ncftpput -u FTPBENUTZER -p FTPPASSWORT -R -v 192.168.100.9 "/VM-Backup/VMs/Testserver - Ubuntu 14.04 LTS/" "/var/www/VMs/Testserver - Ubuntu 14.04 LTS/"
1 5 * * * VBoxManage startvm "Testserver - Ubuntu 14.04 LTS" --type headless

Hinweis: Wenn ihr ncftp benutzt um das Backup per FTP zu sichern, probiert vorher manuell den FTP Zugang aus (Zugriffsrechte und Zugangsdaten).



Performance Tipps und Benchmarks

Verwendet man eine dynamische Festplattengröße halbiert sich die Geschwindigkeit der Festplatte in einer VM. Daher empfehlen wir die Verwendung einer festen Festplattengröße. Hier mal 2 Tests die ich mit der Samsung 850 Pro SSD mit 256GB druchgeführt habe, einmal mit einer dynamischen Festplatte und einmal mit einer Festplatte mit fester Größe:

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In einem weiteren Test habe ich einen Cinebench R15 Benchmark durchgeführt (16 Kerne, 32 logische Prozessoren). Betriebssystem war einmal ein natives Windows 7 Pro SP1 64bit und einmal eine VM mit Windows 7 Pro SP1 64bit:

Cinebench R15 EinkernCinebench R15 Mehrkern
Nativ1312097
in VM1221937*

* Den Mehrkern Test habe ich in der VM mit 50% der logischen Prozessoren (16) durchgeführt und mit 2 multipliziert, da es nicht möglich ist einer VM 100% der logischen Kerne zuzuweisen (das Hostsystem braucht selbst auch Ressourcen um die VM zu betreiben). Man kann in einer VM mit einem Leistungsverlust von 3-15% (je nach Aufgabe) ausgehen, in meinem Fall lag der Leisungsverlust in Cinebench R15 bei rund 8%.





Fazit

Eine Server-Virtualisierung muss nicht teuer sein und kann sich auch für kleinere und mittelgroße Netzwerke eignen. VirtualBox unter einem Linux-Hostsystem macht einen guten Job mit relativ kleinen Leistungsverlusten. Die VMs lassen sich einfach sichern und später auf ein neues, stärkeres Hostsystem überführen.

Die Bedienung per PHPVirtualBox ist einfach und bequem - so lassen sich die Firmenserver bei entsprechender Freigabe sogar vom Home-Office aus neustarten oder herunterfahren. Wir hoffen das wir euch einen kleinen Einblick in die Möglichkeiten der Server-Virtualisierung geben konnten.

Letztes Update am 19.08.2015 von Stefan (Version 4.3 auf 5.0.2 aktualisiert)



20 Kommentare

Von Hansano am 15.08.2017
Registrierter Benutzer

1 Beitrag
Hi, ich bekomme phpVirtualbox unter Ubuntu Server 16.04.3 nicht zum Laufen. Ich verwende virtualbox 5.0.40, das Extension Pack 5.0.40-115130 und phpVirtualbox 5.0-5.

Hat jemand Erfahrungen damit machen können und einen Tipp für mich, wie ich es zum Laufen bekomme?

Unter http://ip-des-Servers/phpvirtualbox bekomme ich nur die Fehlermeldung

"An unknown PHP error occurred. This is most likely a syntax error in config.php in phpVirtualBoxs folder. The most common errors are an unclosed quote or a missing semicolon in a configuration item that has been entered (e.g. location, username, or password)."

Die config.php habe ich stundenlang überprüft und keine Fehler gefunden.

Freue mich über jede Hilfe.


Grüße
Hansano

Von Stefan am 10.07.2015
Technikaffe.de Team

1884 Beiträge
@Buddy: Soweit ich weiß bisher nicht, aktuellste Version ist die 4.3.3.

Update: Es ist nun phpVirtualBox 5.0-2 veröffentlicht worden, ich habe die Gelegenheit genutzt um auch die Anleitung zu aktualisieren.

Von Buddy am 10.07.2015
Besucher

Hallo,
gibt es zu virtualbox 5 ein passendes phpvirtualbox ?

Gruß

Von Stefan am 01.05.2015
Technikaffe.de Team

1884 Beiträge
@Sabine: Kannst Du die Abhängigkeiten manuell installieren ?

apt-get install perl libnet-ssleay-perl openssl libauthen-pam-perl libpam-runtime libio-pty-perl libmd5-perl

Von Sabine am 01.05.2015
Besucher

Seit 29.04.2015 erfolgt eine Fehlemeldung nach dem Aufruf

root@vbox:/var/www# dpkg --install webmin_1.740_all.deb
..............................................................
................
Entpacken von webmin (1.740) ...
dpkg: Abhängigkeitsprobleme verhindern Konfiguration von webmin:
webmin hängt ab von libnet-ssleay-perl; aber:
Paket libnet-ssleay-perl ist nicht installiert.
webmin hängt ab von libauthen-pam-perl; aber:
Paket libauthen-pam-perl ist nicht installiert.
webmin hängt ab von libio-pty-perl; aber:
Paket libio-pty-perl ist nicht installiert.
webmin hängt ab von apt-show-versions; aber:
Paket apt-show-versions ist nicht installiert.

dpkg: Fehler beim Bearbeiten des Paketes webmin (--install):
Abhängigkeitsprobleme - verbleibt unkonfiguriert
Trigger für ureadahead (0.100.0-16) werden verarbeitet ...
Fehler traten auf beim Bearbeiten von:
webmin
root@vbox:/var/www#

Muss jedoch sagen, dass am 23.04.2015 genau nach Deiner Anleitung, alles ohne Fehler installiert wurde.

Gruss Sabine

Von Stefan am 21.04.2015
Technikaffe.de Team

1884 Beiträge
@Tomes: Sollte theoretisch möglich sein, ist aber natürlich sehr speziell und dürfte damit auch viel Fummelei sein. Bezüglich SteamOS: Da kommen in nächster Zeit Anleitungen ... :)

Von Stefan am 21.04.2015
Technikaffe.de Team

1884 Beiträge
@Sabine: Danke für dein Feedback, ich werde die Anleitung in den nächsten Tagen um die Punkte erweitern. Update: Die Installation der Guest Additions wird nun detailliert erklärt.

Von Tomes am 21.04.2015
Besucher

Hallo,

mir kommt da grade eine spontane Idee. ;-)
Bitte nicht gleich steinigen wenn das Quatsch ist.

Kann man ein Selbstbau-NAS mit OMV als Betriebssystem und SteamOS in einer virtuellen Maschine aufsetzen?
Die Spiele sollten dann an das NAS gestreamt werden und an das NAS sind Gamepads und der Fernseher angeschlossen.

Duck und weg
Tomes

Von Sabine am 21.04.2015
Besucher

Sehr gute Anleitung die auch ein Newbie nachvollziehen konnte.
Leider mit den folgenden beiden offenen Fragen:

- Nach der Installation einer VM müssen die GuestAdditions (/usr/share/virtualbox/VBoxGuestAdditions.iso) eingebunden und installiert werden. WIE ?

- wie vorhanden .vdi nutzen ? Hochladen per FTP und Rechte ?

Diese beiden Fragen werden Microsoft User die VirtualBox lokal nutzen, brennend interessieren, da bei mir diese Punkte zu Problemen führen.

Gruss Sabine

Von Pumuckel am 13.04.2015
Besucher

wenns ganz einfach, kostenfrei und unkastriert sein soll:

ProxMox : https://www.proxmox.com/

bietet KVM und OpenVZ Virtualisierung und ist vollständig per Web verwaltbar out of the box

den "Nagscreen" wegen der Supportsubscription bekommt man durchs editieren einer Zeile weg (legal)

Von Stefan am 13.04.2015
Technikaffe.de Team

1884 Beiträge
@Joker: Danke für dein Hinweis, ist mir bekannt. Ich wollte mit der Aussage nur auf die Begrenze von ESXi hinweisen :)

Von Joker am 13.04.2015
Besucher

Hi Stefan,

PS: du bist ja im Rahmen geblieben, sollte nur als Hinweis für die Leser gelten

Von Joker am 13.04.2015
Besucher

Hi Stefan,

ich kann zwar nur für VMware sprechen, jedoch ist es dort so, dass man mit den vCPUs eher sparsam umgehen sollte.
Denn viel hilft hier nicht viel.

Wenn du mehr vCPUs vergeben hast als Logische Kerne wird es für den Hypervisor etwas schwierig. Sofern du angenommen 4 vCPUs hättest...und 4 VMs mit jeweils 1vCPU hast, ist das kein Problem. Jede VM-CPU wird auf ein Core des Hosts geschaltet.
Nimmst du jetzt allerdings noch eine VM dazu, welcher du 4vCPUs gibst muss diese VM mit ihren Berechnungen warten bis ein TimeSlot auf allen 4 logischen Kernen frei ist um die Berechnung durchzuführen. Hätte diese 5te VM nur 1 vCPU kann der Hypervisor sie irgendwo dazwischen schieben und die Verrechnung geschieht schneller da sie in keine Que kommt.

Wie gesagt, das weiß ich nur von VMware... könnt ich mir aber auch bei VB vorstellen...

Daher lieber mit 1vCPU anfangen und sofern die mehr Power gebraucht wird, einzelne hinzufügen... Oder eben schauen, dass man nicht mit vCPUs um sich wirft.

lg
Joker

Von Stefan am 12.04.2015
Technikaffe.de Team

1884 Beiträge
@SLiX: ESXi ist auf 8 von 128 theoretischen vCPUs limitiert und auch die APIs sind ziemlich kastriert, VMWare möchte natürlich nicht zu viele Kunden von vSphere verlieren. Aber es ist natürlich trotzdem eine gute Alternative.

Von SLiX am 12.04.2015
Besucher

Sehr schöner Artikel!
Aber was spricht gegen einen ESXi? In Eurem Fall mit 2 CPUs geht das natürlich nicht kostenlos, oder übersehe ich etwas?

Von biker am 12.04.2015
Besucher

Hallo,
wenn man easyVDR 2.0 (Ubuntu 14.04) als VM installiert, lässt sich dann auch eine Digital Devices Cine S2 (PCI Express Karte) vom Host durchreichen.

Von Stefan am 12.04.2015
Technikaffe.de Team

1884 Beiträge
@Pumuckel: Du hast Recht, Dateien kann man auch mit putty transferieren. Da die Installation aber sehr schnell erledigt ist und sich die meisten mit FTP auskennen habe ich diesen Weg gewählt - geht aber auch ohne. Webmin ist ein gutes Tool zur Serververwaltung, haben wir auch immer drauf. Werde ich oben noch ergänzen, Danke.

Von Stefan am 12.04.2015
Technikaffe.de Team

1884 Beiträge
@Stefan: Ja dies ist ohne Probleme möglich, da PHPVirtualBox nicht unbedingt auf dem localhost laufen muss. Im Prinzip ist die Installation absolut identisch bis zu der Installation von PHPVirtualBox, die dann nur auf einem Server erfolgen muss. Die Konfiguration von PHPVirtualBox beim Betrieb mehrerer Server kannst Du hier nachlesen.

Von Pumuckel am 11.04.2015
Besucher

warum so kompliziert :)

nicht falsch verstehen, aber FTP Client brauchste keinen, nur ein Putty oder Desktopfreigabe

Ich baue grad auf
Ubuntu Mate Basis mit
Virtualbox, PHP Virtualbox,
einem LAMP Stack mit PHP Myadmin
Kodi + Intel Grafics Installer
XPEnology in Virtualbox mit 2 durchgereichten 2;5" HDDs

benutzt hab ich diese Tutorials (für 14.04):
LAMP (mit Maria DB)
Intel Grafics Installer
Virtualbox mit php virtualbox
Webmin

War keine wirkliche Kritik sondern eher eine Anmerkung

trotzdem vielen Dank für dein detailiertes Tutorial in deutsch :)

Von Stefan am 11.04.2015
Besucher

Hallo,

erstmal vorweg: richtig richtig guter Artikel!!! Ich hatte mir schon länger Gedanken zu dem Thema Server-Virtualisierung gemacht und dass hier ist wirklich eine super Lösung, die auch einfach realisierbar ist! Dazu die gute Erklärung... echt Top!!!

Hier aber eine noch etwas weiter führende Frage zu der behandelten Lösung:
Lässt sich das genannte Prinzip mit Virtualbox auch über mehrere physikalische Server umsetzen? Sodass man die Leistung vereinen kann? (und später auf logische Server aufteilen)

Gruß
Stefan

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Über den Autor
Stefan ist 33 Jahre alt, wohnt bei Hamburg und arbeitet als IT-Administrator in einer japanischen Firma. Stefan ist eines der drei Gründungsmitglieder von Technikaffe und schreibt seit April 2013 rund um die Themen Server, Netzwerk und Programmierung.