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Debian 9 mit Cockpit Webinterface verwalten

Ein Linux Betriebssystem kann sehr vielfältig verwaltet werden. Wir haben in der Vergangenheit z.B. das Verwaltungstool Webmin vorgestellt, welches einen sehr großen Funktionsumfang bietet. Als Alternative bietet sich aber auch das recht schlanke Tool Cockpit an, welches sich hervorragend auch auf mehrere Server skalieren lässt.

Dabei installiert sich Cockpit als Systemd-Dienst, der einen eigenen Webserver startet und so die Webbedienung des Servers via HTTPS ermöglicht. Mit fremden Servern verbindet sich Cockpit über SSH, benötigt allerdings auf jedem verwalteten Server die Cockpit-Installation. Cockpit selbst lässt sich bequem über die Backport-Repos von Debian installieren.

Obwohl Cockpit seinen vollen Funktionsumfang aktuell nur in den Linux Distributionen Fedora, CentOS und RHEL bereitstellt, haben wir das Verwaltungstool auf einem Debian 9.3 installiert, denn mit dieser Plattform hatten wir bereits andere Tools wie OpenMediaVault 4 Beta oder Webmin mit VirtualBox getestet. Unter Debian steht die Virtualisierungsfunktion bzw. die Verwaltung von VMs aufgrund fehlender VSDM-Unterstützung in Debian noch nicht zur Verfügung.



Debian 9 als Betriebssystem (Schritt-für-Schritt)

Für unseren Test nutzen wir die aktuelle Debian 9.3, die wir hier als 64Bit Netinst-ISO heruntergeladen haben.

Die Installation von Debian ist denkbar einfach: die ISO-Datei wird entweder mit einem Tool wie dem Win32DiskImager auf einen USB-Stick kopiert oder kann in einer VM als Bootmedium genutzt werden.

Der grafisch einfach gehaltene Installationsassistent hilft beim Konfigurieren der folgenden Punkte:
  • Spracheinstellungen
  • Netzwerkeinstellungen
  • Anlegen des root-Benutzers (Administrator)
  • Anlegen des normalen Benutzers (Standardbenutzer)
  • Paritionieren der Festplatte(n)
  • Updates und Module und Proxy-Einstellung
  • Installation SSH-Server für späteren Fernzugriff

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Neben dem Root-Benutzer erstellt der Debian-Installationsassistent einen zusätzlichen Benutzer mit Standard-Benutzerrechten. Über diesen Benutzer sollte dann gearbeitet werden. Der Root-Benutzer bzw. das Root-Passwort werden nur benötigt um den Server später zu konfigurieren oder um Software nachträglich zu installieren.

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Nach der Partitionierung der Festplatte kann dann zusätzliche Software installiert werden. Spätestens ab hier benötigt die NetInst-ISO eine Internetverbindung. Debian 9 lässt sich natürlich auch ohne Internetverbindung installieren, hier muss dann aber ein deutlich größeres Installationsimage heruntergeladen werden. Wir interessieren uns vor allem für den SSH-Server, den man hier direkt mit installieren sollte.

Anschließend wird noch der Bootloader installiert, dann ist Debian auch schon einsatzbereit. Wer hier keine Desktopumgebung benötigt, sollte unbedingt den Punkt Debian Desktop Environment abwählen, der das System ansonsten unnötig aufbläht.

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Cockpit bequem über das Backports-Repository installieren

Nach der Installation kann z.B. über eine SSH-Session (ich verwende den Bitvise SSH Client) Cockpit installiert werden. Dafür füge ich zuerst das jeweilige Backports-Repo zur Liste des Paketmanagers hinzu.

Debian 9 mit Cockpit Webinterface verwalten

Über SSH authentifiziert man sich zunächst über den Standardbenutzer (in meinem Fall stefan). Anschließend verschafft man sich mittels su die Benötigten Rootrechte.


Debian 9 (Stretch)
su Um Rootrechte zu erlangen (Root-Passwort eingeben)

echo 'deb http://deb.debian.org/debian stretch-backports main' >
/etc/apt/sources.list.d/backports.list


apt-get update

apt-get install cockpit


Debian 8 (Jessie)
su Um Rootrechte zu erlangen (Root-Passwort eingeben)

echo 'deb http://deb.debian.org/debian jessie-backports-sloppy main' > \
/etc/apt/sources.list.d/backports.list


apt-get update

apt-get install cockpit



Cockpit über einen beliebigen Browser benutzen

Über den Browser (Rechnername / IP-Adresse mit dem Port 9090) lässt sich Cockpit über HTTPS (SSL-Verschlüsselt) aufrufen. Wer sich daran stört, dass der Browser eine Zertifikatswarnung ausgibt (die man einfach ignorieren kann), der kann ein selbstsigniertes Zertifikat erstellen.

Cockpit besitzt neben verschiedenen Überwachungsfunktionen auch eine Benutzerverwaltung. Netzwerkkarten des Servers lassen sich direkt über Cockpit zu Gruppen bündeln, die dann als Failover oder Load-Balancing genutzt werden können.

Über die Weboberfläche lässt sich zudem ein RAID-Verbund erstellen und konfigurieren. Es können Partitionen erstellt und eingehängt werden. Zudem ist es möglich Cronjobs, also zeit- oder eventgesteuerte Aktionen (Systemstart oder Herunterfahren) zu verwalten. Die angelegten Jobs können auf Wunsch in regelmäßigen Intervallen automatisch wiederholt werden.

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Die RAID-Verwaltung unterstützt die RAID-Modi (0, 1, 4, 5, 6 sowie 10). Dafür muss zwingend das mdadm Paket installiert sein. Dieses lässt sich über SSH oder das in Cockpit enthaltene Terminal installiert werden.

apt-get install mdadm

Installiert man dieses Paket nicht, zeigt Cockpit eine nicht ganz einfach zu interpretierende Meldung (Bild 2) an. Gleiches gilt für alle, die später die von Cockpit bzw. Debian unterstützte LUKS-Verschlüsselung nutzen möchten. LUKS kann über SSH oder das Terminal mit folgenden Befehlen installiert werden:

apt-get install cryptsetup
modprobe dm-crypt

Die Installation von LUKS ist optional, wer keine Verschlüsselungsfunktionen benötigt, kann diesen Schritt also einfach überspringen.

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Das Terminal eignet sich auch perfekt, wenn der SSH-Dienst einmal nicht erreichbar sein sollte oder man diesen aus Sicherheitsgründen nicht nach außen hin öffnen möchte.

Debian 9 mit Cockpit Webinterface verwalten



RAID-Erstellung

Die Erstellung eines RAID-Verbundes ist einfach und sollte auch Anfänger nicht vor große Probleme stellen. Nach der Auswahl des RAID-Modis und der Datenfestplatten kann der RAID-Verbund partitioniert werden. Ich habe mich hier für eine GPT-Partition entschieden.

Formatiert wird diese Partition dann mit dem ext4 Dateisystem, es gibt hier aber eine große Auswahl, die bis zu mit LUKS verschlüsselten ext-Volumes reicht. Nachdem die Partition formatiert wurde, kann diese über die Weboberfläche eingehängt werden.

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Über SSH bzw. das Terminal lässt sich die Struktur aller Festplatten und RAIDs anzeigen:

lsblk
df -h



Zukunftsmusik: Virtualisierung mit oVirt-Plugin und VDSM

VDSM ist aktuell nur in Fedora, RHEL und CentOS verfügbar, an einer Umsetzung für Debian wird aktuell gearbeitet. Da das oVirt-Plugin für Cockpit VDSM zwingend benötigt, lässt sich dieses Plugin aktuell unter Debian nicht nutzen. Über das oVirt-Plugin lassen sich virtuelle Maschinen direkt über die Weboberfläche erstellen und verwalten.

Wir werden in einem zukünftigen Beitrag detailliert auf die Virtualisierungsfunktionen von Cockpit mit dem oVirt-Plugin eingehen, damit ihr einen guten Vergleich zu den anderen von uns vorgestellten Virtualisierungslösungen Hyper-V und VirtualBox habt.



Fazit

Eine wirkliche Alternative zu Webmin ist Cockpit aktuell nur, wenn der Systemverwalter nur einen (oder mehrere) Basis-Linux Server verwalten muss. Webmin bietet u.a. die Möglichkeit Nachrichten bei einer Fehlfunktion des RAIDs an den Administrator zu versenden. Diese wichtige Funktionalität fehlt aktuell in Cockpit noch. Denn bei einem Festplattenausfall sollte der Systemadministrator schnell über den Ausfall informiert werden.

Natürlich lässt sich diese Funktionalität auch manuell im System einrichten (das Basissystem ist in unserem Fall ja ein vollwertiges Debian Linux), die Verwaltung über eine Weboberfläche ist aber natürlich nicht nur komfortabler sondern häufig auch schneller.

Auch die Anzahl der unterstützen Software ist unter Webmin deutlich größer, so unterstützt Cockpit z.B. nicht die Konfiguration des Apache 2 Webservers. Doch auch hier gilt: weniger ist manchmal mehr - zumindest dann wenn man die von Webmin zusätzlich vorhandenen Funktionen gar nicht nutzen möchte.

Die Weboberfläche von Cockpit ist schnell und einfach aufgebaut, teilweise ist der volle Funktionsumfang eines Moduls aber nicht auf den ersten Blick ersichtlich, z.B. dann wenn eine zusätzliche Funktion nicht über einen Button sondern über einen simplen Hyperlink realisiert ist. Auch sind manche Buttons erst dann sichtbar, wenn die Voraussetzungen seitens der Hardware dafür vorhanden sind. Dies verkompliziert die Bedienung von Cockpit teilweise unnötig.

Geniale Funktionen wie die VM-Verwaltung sind aufgrund der VSDM-Abhängigkeit aktuell nur unter Fedora, RHEL sowie CentOS nutzbar. Dies ist natürlich nicht die Schuld der Cockpit-Entwickler, vermindert aber den Funktionsumfang unter Debian und Ubuntu erheblich.



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Über den Autor
Stefan ist 33 Jahre alt, wohnt bei Hamburg und arbeitet als IT-Administrator in einer japanischen Firma. Stefan ist eines der drei Gründungsmitglieder von Technikaffe und schreibt seit April 2013 rund um die Themen Server, Netzwerk und Programmierung.